Zwischen globaler Unsicherheit und demografischem Druck: die Schweiz im Stresstest

Es spricht viel dafür, dass wir gerade Geschichte schreiben. Die politische und ökonomische Weltordnung verschiebt sich in überraschendem Tempo in bis vor Kurzem unvorstellbare Richtungen – mit spürbaren Folgen für ein kleines, offenes Land wie die Schweiz und ihren Arbeitsmarkt.

Geopolitische Turbulenzen und zunehmender Protektionismus als neue Normalität

Die Pax Americana mit den Vereinigten Staaten, die geopolitisch und weltwirtschaftlich Verantwortung und Gestaltungswillen übernehmen und damit über Jahrzehnte Stabilität garantierten, scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die Welt entwickelt sich wieder hin zu einer multipolaren Ordnung mit verschiedenen Machtzentren, die politisch, ökonomisch und kulturell sehr unterschiedlich funktionieren.

Auch wirtschaftlich wird die bisherige Ordnung infrage gestellt. Globalisierung und freier Welthandel gelten nicht mehr als Selbstverständlichkeit. Zölle und protektionistische Tendenzen führen zu wachsender Unsicherheit und einer fragmentierten Wirtschaftsordnung. Als Folge der geopolitischen Spannungen und protektionistischen Tendenzen hat die Weltkonjunktur bereits in den letzten Jahren ein gedämpftes Wachstum gezeigt. Viele Volkswirtschaften stecken seit Längerem in einer Phase schleppender Konjunktur.

Die Schweiz: globale Verschiebungen mit lokalen Folgen

Diese Entwicklungen treffen die Schweiz direkt. Als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft ist sie stärker als viele andere auf offene Märkte angewiesen. Wenn der Zugang zu globalen Beschaffungs- und Absatzmärkten schwieriger wird, muss die Schweiz neue Lösungen entwickeln.

Die wirtschaftliche Schwäche zeigt sich in einzelnen Branchen bereits deutlich: Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie die Personaldienstleistungsunternehmen spüren schon seit drei Jahren zunehmende Unsicherheiten und eine rückläufige Dynamik. Diese Sektoren sind konjunkturelle Frühindikatoren und direkte Spiegel der Weltkonjunktur. Was dort sichtbar wird, breitet sich oft zeitverzögert in anderen Branchen aus.

Auch sicherheitspolitisch steht die Schweiz unter Druck. Eine multipolare Welt erhöht für kleine Demokratien wie die Schweiz die geopolitischen Risiken. Die Neutralität bleibt ein wichtiger Pfeiler, doch ist sie vermutlich kein Garant für Sicherheit. Die Schweiz braucht Verbündete, um sich in einer instabileren Welt behaupten und verteidigen zu können.

Ein Übel kommt selten allein: die demografische Entwicklung

Parallel zu den geopolitischen und weltwirtschaftlichen Umbrüchen schreitet die demografische Alterung in der westlichen Welt und insbesondere auch in der Schweiz unaufhaltsam voran. Der demografische Fachkräftemangel ist derzeit wegen der schwachen Konjunktur wenig sichtbar. Die mittelfristigen Auswirkungen sind aber bedeutend: Die Erwerbsbevölkerung schrumpft. Immer weniger Menschen werden die Wertschöpfung, den Wohlstand und die Altersvorsorge für alle erarbeiten müssen.

Die Rekrutierung von Fachkräften aus dem europäischen Arbeitsmarkt war lange eine erfolgreiche Strategie der Schweiz, um den demografischen Druck abzufedern. Dieses Modell funktioniert nur, solange die Schweiz Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt hat und zugleich bessere Arbeits- und Lebensbedingungen bietet als ihre europäischen Nachbarn. Aber selbst mit diesen Trümpfen darf man sich keinen Sand in die Augen streuen. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft überall in Europa. Der Wettbewerb um Talente wird intensiver. Die demografische Herausforderung ist strukturell und langfristig.

Partnerschaften sind zentral: Europa als strategischer Anker

Aus all diesen Entwicklungen ergibt sich eine klare Konsequenz: Für ihren Arbeitsmarkt, für ihre wirtschaftliche Entwicklung und für ihre Sicherheit ist die Schweiz auf stabile Partnerschaften angewiesen. Dabei ist und bleibt Europa der naheliegendste Partner – geografisch, kulturell, politisch und ökonomisch.

Gleichzeitig müssen Europa und die Schweiz gemeinsam lernen, neu entstehenden Machtblöcken wie China, Russland, veränderten USA oder der arabischen Welt auf Augenhöhe zu begegnen. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern auch um die Verteidigung von Demokratie und Freiheit.

Wichtige Abstimmungen im Licht von Geopolitik und Demografie

Die Schweiz steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Die anstehenden Abstimmungen sind unbedingt auch vor den sich wandelnden geopolitischen und weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen einzuordnen. Die Nachhaltigkeits-Initiative ist mit ihrer starren Mengenbeschränkung ungeeignet, ein Land zu steuern. Sie würde den Zugang zu Arbeitskräften aus Europa einschränken und die Personenfreizügigkeit infrage stellen. Der Arbeitskräftemangel würde sich verschärfen, und die Partnerschaft mit der EU würde gefährdet – just in einer Situation, in der verlässliche Allianzen zentral sind. Die Sorgen in der Bevölkerung, die am Ursprung der Initiative stehen, wie Wohnungsmangel in den Städten, Engpässe bei der Infrastruktur und kulturelle Verschiebungen, müssen jedoch ernst genommen und politisch adressiert werden.

Zentral ist zudem, den bilateralen Weg mit der EU zu stärken und zukunftstauglich zu machen. Die Bilateralen III sollen genau dies leisten. Dabei ist dem flexiblen Arbeitsmarkt als ein entscheidender Standortfaktor Sorge zu tragen. Das Lohnschutzpaket zu den Bilateralen stellt diesbezüglich einen pragmatischen Kompromiss dar und ist einigermassen austariert. Sorge bereitet swissstaffing jedoch das darin vorgesehene Ausweis- und Bewilligungssystem. Personaldienstleister dürfen nicht in ein System gezwungen werden, in dem durch branchenfremde Instanzen mehr oder weniger willkürlich über deren Marktzugang entschieden wird.

Parallel zur Modernisierung der Partnerschaft mit der EU bleibt die Integration von nicht erwerbstätigen Inländerinnen und Inländern wichtig. Eine möglichst vollständige Ausschöpfung des Inländerpotenzials stützt den Arbeitsmarkt in Zeiten demografischer Alterung und dient dem sozialen Zusammenhalt in der Schweiz.

Fazit: Stabilität durch Partnerschaft, Flexibilität und Inklusion

Die Schweiz steht vermutlich an einem historischen Wendepunkt. Die geopolitischen Verschiebungen, die wirtschaftlichen Unsicherheiten und die demografische Alterung wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.

Damit wir unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt bewahren können, braucht es jetzt klare Prioritäten: ein stabiles Verhältnis zu Europa, einen liberalen Arbeitsmarkt und die Fähigkeit, alle Erwerbspersonen im Inland einzubinden. Gelingt uns das, kann die Schweiz auch in einer instabileren Welt ein attraktiver und zukunftsfähiger Standort sein.

Quelle: www.swissstaffing.ch

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